source: www.noen.at
Fritzl als Welt-Skandal
INZESTDRAMA / Staatsanwaltschaft St. Pölten ist nach wie vor mit Medienanfragen aus aller Welt konfrontiert. Gericht erwartet Medienansturm beim Prozess gegen Josef Fritzl.
VON SONJA PLANITZER
Er gilt jetzt schon als der Kriminalfall des Jahrhunderts: das Inzestdrama um Josef Fritzl. Inzwischen gibt es dazu nicht nur eigene Homepages (z. B. www.joseffritzl.com), auch auf der Internet-Enzyklopädie Wikipedia ist der Fall in nahezu allen Weltsprachen – von Deutsch (,,Der Kriminalfall von Amstetten“) über Englisch („The Fritzl case“) und Arabisch bis zu Japanisch, Russisch und Französisch („Affaire Fritzl“) – vertreten.
In der Weltpresse wird über den Fall nach wie vor intensiv berichtet. Und nicht immer wird es da mit der Wahrheit sehr genau genommen. So schrieb die britische Boulevardzeitung „Sun“ in der Vorwoche beispielsweise: „Fritzl: „Mama nannte mich Satan“.
„Ich habe die Berichterstattung nicht genau verfolgt, aber manchmal bin ich von Journalisten gefragt worden, ob das stimmt, was da in der englischen oder deutschen Presse steht“, sagt Gerhard Sedlacek, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten. Als der Fall Fritzl Ende April bekannt geworden war, war der Staatsanwalt nahezu rund um die Uhr mit Medienanfragen aus aller Welt konfrontiert. „Anfangs haben wir zu zweit, der Leiter der Staatsanwaltschaft, Peter Ficenc, und ich, die Medienanfragen beantwortet. Wenn man ein Telefonat beendet hatte, läutete es schon wieder. Man hätte rund um die Uhr arbeiten können“, so Gerhard Sedlacek.
Fall Fritzl und das „Nazi-Gedankengut“
Einen Medienansturm erlebte auch Oberst Franz Polzer, Leiter des NÖ Kriminalamts. Er wurde nicht nur haufenweise mit Interviewanfragen konfrontiert, sondern auch mit teilweise „eigenwilligen Vorurteilen und seltsamen Gedanken der Journalisten“. Polzer: „Dass in manchen Medien aus dem Fall nationalsozialistisches Gedankengut Österreichs gelesen wurde, das hat weh getan.“ Und: „Die österreichische Medienlandschaft ist auch fordernder geworden, aber die Qualität der österreichischen Medien ist mir angenehm.“
Und wie geht es im Fall Fritzl jetzt weiter? Die Anklageschrift wird, laut Staatsanwaltschaft, frühestens am 14. November vorgelegt. Offen ist, wann es zum Prozess gegen Fritzl kommt.
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By: joseffritzl on November 13, 2008
at 7:16 pm